Roland Dorschners Verbindung zu Selb reicht über seine Funktion im Vorstand hinaus. Freibad, Sportanlagen und Mehrzweckhalle zeigen ebenso wie die Ehrenbürgerunterlagen und das Museum, wie Unternehmensgeschichte in den Alltag der Stadt hineinwirkte. Die erhaltenen Dokumente führen von den ersten Freizeiteinrichtungen 1969 bis zur Tennishalle 1990.
1968 benötigte Werk B eine bessere Löschwasserversorgung. Nach dem historischen Bericht wurde daraus die Idee entwickelt, das benötigte Reservoir zugleich als Freibad zu nutzen. Die Unternehmensleitung unter Roland Dorschner gewann den Aufsichtsrat für die Finanzierung. Die Umsetzung machte aus einer betrieblichen Notwendigkeit ein Angebot für Beschäftigte und die gesamte Bevölkerung. Die Quelle verbindet diesen Schritt ausdrücklich mit der damaligen Sozialpolitik des Unternehmens. (R21, gedruckte S. 144)
Am Pfingstsamstag, dem 24. Mai 1969, wurde das Bad am Werk B an der Ascher Straße eröffnet. Das Becken war 50 Meter lang und 12,5 Meter breit; fünf Bahnen ermöglichten sportliches Schwimmen. Sprungmöglichkeiten in einem, drei und fünf Metern Höhe und eine große Liegewiese ergänzten die Anlage. Der historische Bericht nennt Umkleidemöglichkeiten für 900 Personen und rund 8.000 Quadratmeter Liegewiese. Diese Angaben beschreiben den damaligen Ausbau, nicht eine heutige Ausstattung. (R21, gedruckte S. 144 und 146–147)
Eine Besonderheit war die Heizung: Abwärme aus den Tunnelöfen des Werks wurde über einen unterirdischen Versorgungskanal zur Erwärmung des Badewassers genutzt. Die Planungsbeschreibung nennt 25 Grad Celsius als vorgesehene Temperatur, der Eröffnungsrückblick 27 Grad am ersten Badetag. Beide Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Situationen. Der technische Zusammenhang mit der Porzellanproduktion war für das Freibad somit unmittelbar spürbar. (R21, gedruckte S. 144 und 147)
Die Baukosten werden mit ungefähr 750.000 DM angegeben. Das Unternehmen übernahm laut Bericht auch die laufenden Kosten. Ein solcher Aufwand erklärt, weshalb das Bad in städtischen Würdigungen als Beitrag zur Lebensqualität auftauchte. Die Bürgermeisterrede von 1976 erinnert zugleich daran, dass es anfangs Diskussionen gegeben hatte: In Selb wurden parallel Pläne für ein Hallenbad verfolgt. Der Ausbau der Freizeitangebote war also auch Gegenstand kommunaler Interessen und Abstimmungen. (R21, gedruckte S. 147; R22, gedruckte S. 123)
Das hier behandelte Hutschenreuther-Freibad am Werk B ist vom Hallenbad im Rosenthal-Park zu unterscheiden. Die städtische Website führt letzteres unter diesem Namen und an der Hofer Straße. Der historische Artikel über das Freibad gibt keine Auskunft über dessen heutigen Betrieb. Stadt Selb: Hallenbad im Rosenthal-Park.
Freibad und Tischtennishalle bildeten 1969 den Ausgangspunkt für weitere Einrichtungen. In seiner Ansprache zur Halleneinweihung 1988 beschreibt Dorschner eine langfristige Planung: Der Industriebetrieb sollte von Sport- und Freizeitmöglichkeiten umgeben und besser mit seiner Umgebung verbunden werden. Er betont, dass die Anlagen von Anfang an nicht allein den eigenen Beschäftigten zur Verfügung stehen sollten. Die Öffnung für die Bevölkerung gehörte zum erklärten Zweck. (R20, PDF-S. 20–21)
Nach und nach kamen eine Bocciabahn, ein kleiner Rasenplatz, ein Universal-Asphaltplatz, Flächen für Sommer-Eisstockschießen und Kegelbahnen hinzu. In der Rede von 1990 werden die Hutschenreuther-Sportförderung und die Sportgemeinschaft als organisatorische Verbindung dieser Angebote beschrieben. Sport war damit mehr als ein einzelner Bau: Es brauchte Vereine, Abteilungen, Übungsbetrieb und Menschen, die die Einrichtungen mit Leben füllten. Die Aufzählung folgt dem historischen Redetext; sie ist kein aktuelles Verzeichnis nutzbarer Anlagen. (R20, PDF-S. 20; R23, PDF-S. 2–4)
Auch die städtische Würdigung von 1976 nennt Sportflächen, Tischtennishalle, Kegelbahn und Jugendraum. Für die Kunsteishalle erwähnt Höfer einen Beitrag von 300.000 DM durch Hutschenreuther und ordnet ihn in das Zusammenwirken von Stadt, Landkreis und Verein ein. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Sportförderung über das eigene Werksgelände hinausreichte. Die Errichtung solcher Anlagen wird hier als gemeinsame Leistung eingeordnet. (R22, gedruckte S. 123–124)
Die Mehrzweckhalle wurde am 13. Mai 1988 als Hutschenreuther-Halle Selb eingeweiht. Unter diesem Namen führen sie das originale Programm, der Bilderdienst und Dorschners Eröffnungsrede. Die spätere Bezeichnung Roland-Dorschner-Halle ist unter anderem in der Vereinschronik der Turnerschaft Selb belegt. Ein genaues Datum der Umbenennung ist in den hier ausgewerteten Unterlagen nicht gesichert. (R20, PDF-S. 14–22; R24)
Dorschner begrüßte die Gäste im Namen der Stadt und der Hutschenreuther AG sowie als Mitinitiator. Er dankte Regierungspräsident Wolfgang Winkler für die Förderung, Oberbürgermeister Christian Höfer für die Kooperation und Bürgermeister Werner Schürer für die Unterstützung durch den Stadtverband der Sportvereine. Auch die Zustimmung des Aufsichtsrats und die Arbeit der beteiligten Firmen und Mitarbeiter werden genannt. Seine Rede bezeichnet die Halle ausdrücklich als Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Industrieunternehmen. (R20, PDF-S. 19–20 und 22)
Das Festprogramm verband Reden und ökumenische Weihe mit Musik. Der Maler-Gesangverein Selb, ein Kinderchor aus Stavanger und ein Frauenchor aus England wirkten mit. Schon die Eröffnung machte damit die doppelte Funktion der Halle sichtbar: Sportstätte und Ort gesellschaftlicher Begegnung. Die Einladung nennt den Beginn des Festakts um 18.30 Uhr; das anschließende Chorkonzert war als eigenständiger Programmbereich vorgesehen. (R20, PDF-S. 15–16 und 21)
Für die Nutzung nannte Dorschner Hallenfußball, Tischtennis, Handball, Squash, Faustball und Volleyball ebenso wie Betriebsversammlungen, Betriebsrätekonferenzen, größere Versammlungen und Kongresse. Gastronomische Räume sollten die Versorgung unterstützen. Diese Liste beschreibt die vorgesehenen Möglichkeiten von 1988. Bereits für die folgenden Wochen kündigte er den ersten Porzellanball an; der Ball fand am 18. Juni statt. Spätere Unterlagen dokumentieren Jubiläumsveranstaltungen und die Verabschiedung Dorschners 1990 in der Halle. (R20, PDF-S. 21–22; R10, PDF-S. 1–3; R12, PDF-S. 1–3)
Am 11. April 1990 wurde die Tennishalle eröffnet. In seiner Rede als Präsident der Sportgemeinschaft und Vorstandsvorsitzender ordnete Dorschner sie als Abschluss einer mehr als zwanzigjährigen Entwicklung ein. Im Vorjahr waren nach seiner Darstellung eine Tennisabteilung und zwei Freiplätze entstanden. Die Halle erweiterte die Möglichkeiten um einen wetterunabhängigen Spielbetrieb. (R23, PDF-S. 1–4)
Die Fortsetzung der Rede benennt Fördermittel und Unterstützer, darunter Bund und Land im Rahmen der Grenzlandförderung, Sportverband, Landkreis, Stadt und Unternehmen. Das Projekt lässt sich deshalb nicht allein auf eine Person zurückführen. Dorschners Anteil bestand in der langjährigen Initiative und dem Einsatz für die Sportförderung innerhalb eines größeren Zusammenwirkens. In seiner eigenen Deutung verband der Sportpark Erholung für die Menschen mit einer Veränderung des Umfelds der Fabrik: Aus zuvor von Schutt und Porzellanscherben geprägten Flächen wurden nutzbare Sportanlagen. (R23, 1990-Tennishalle022.pdf, PDF-S. 4; 1990-Tennishalle023.pdf, PDF-S. 1)
Schon vor der Ehrenbürgerwürde hatte die Stadt Dorschner am 10. August 1976 mit der Goldenen Bürgermedaille ausgezeichnet. Die Rede von Oberbürgermeister Höfer stellt diese Ehrung in den Zusammenhang seiner Vorstandstätigkeit, der städtischen Entwicklung und seines Engagements außerhalb der eigentlichen Produktion. Besonders anschaulich wird dieser Zusammenhang an Freibad und Sportförderung: Das Unternehmen trug zur Freizeitgestaltung in einer Stadt bei, deren Alltag zugleich stark von industrieller Arbeit geprägt war. (R22, gedruckte S. 116–119 und 123–124)
Nach der Mitteilung des Hutschenreuther-Vorstands vom 17. Juli 1989 beschloss der Selber Stadtrat am 1. Juni einstimmig, Dorschner zum Ehrenbürger zu ernennen. Die Verleihung fand am 26. Juli im Selber Rathaus statt. Beschlussdatum und Festakt werden deshalb getrennt angegeben. Die Mitteilung nennt Verdienste im wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, sportlichen und gesellschaftlichen Bereich sowie die bereits 1976 verliehene Goldene Bürgermedaille. (R03, PDF-S. 1 und 4)

D02 Ehrentafel der Stadt Selb; Aufnahme aus der Dokumentation der Ehrenbürgerverleihung 1989. (R06, PDF-S. 6) Bildnachweis
In seiner Dankesrede blickte Dorschner auf die Ankunft in Selb 1948 zurück. Er beschrieb die Stadt als neue Heimat und würdigte die Leistungen seiner beruflichen Wegbegleiter. Zugleich sprach er die Beiträge der Rosenthal AG zum kulturellen Leben an. Diese Worte zeigen seine Sicht auf das Verhältnis der beiden Unternehmen: Konkurrenz im Geschäft konnte mit Engagement für dieselbe Stadt verbunden sein. (R04, PDF-S. 1–2) (R05, PDF-S. 1–3)
Am 27. Januar 1989 wurde das Hutschenreuther-Museum auf Gut Blumenthal eröffnet. Der Bericht im Neuen Tag vom folgenden Tag beschreibt die Umnutzung von Stallungen und Heuboden und ordnet das Museum als Bestandteil der Unternehmenskultur ein. Die Presseinformation der Hutschenreuther AG erläutert den historischen Bezug des Guts zur Familie Hutschenreuther. (R07, PDF-S. 1–5)

D03 Blick in das Hutschenreuther-Museum auf Gut Blumenthal, Dokumentation zur Eröffnung am 27. Januar 1989. (R07, PDF-S. 16) Bildnachweis
Dorschner stellte das Haus im Pressebericht als Erinnerung an die Gründer und die Arbeit vieler Generationen dar. Der Bericht betont auch, dass das Firmenmuseum nicht als Konkurrenz zum Museum der deutschen Porzellanindustrie in Hohenberg verstanden werden sollte. Beide Einrichtungen hatten unterschiedliche Aufgaben: Unternehmensgeschichte auf der einen, die Geschichte der Branche auf der anderen Seite. (R07, PDF-S. 4)
Die historische Aufnahme zeigt den damaligen Ausstellungsraum. Sie ist keine Auskunft über einen heutigen Museumsbetrieb oder den gegenwärtigen Zustand des Gebäudes.
Die Porzellanbälle und Konzerte erweitern diesen Blick. Sie brachten das Unternehmen mit Beschäftigten, ehemaligen Beschäftigten, der Stadt und gemeinnützigen Einrichtungen zusammen. Wie diese Angebote im Einzelnen erlebt wurden, müsste durch zusätzliche Stimmen ergänzt werden. Porzellanbälle · Veranstaltungsübersicht
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