Carl Magnus Hutschenreuther (1794–1845), in älteren Darstellungen auch Carolus Magnus genannt, steht am Beginn der Hutschenreuther-Geschichte in Hohenberg an der Eger. Aus seinem kleinen Unternehmen ging die Hohenberger Porzellanfabrik hervor. Sein Sohn Lorenz gründete später ein eigenes Unternehmen in Selb. Vater und Sohn gehören zu einer Familiengeschichte, ihre Betriebe waren zunächst jedoch selbstständig. (L21, 175-Jahre-LHS038.pdf, PDF-S. 1–2)

B02 Carl Magnus Hutschenreuther. Bildnachweis und Herkunft.
Er wurde am 9. April 1794 in Wallendorf in Thüringen geboren und starb am 10. November 1845 in Hohenberg. Die Neue Deutsche Biographie beschreibt seine Ausbildung als Porzellanmaler im Umfeld seines Vaters. Mit dem Bemalen und dem Handel mit Porzellan kannte er sowohl die handwerkliche als auch die kaufmännische Seite des Gewerbes. Hans Jaeger, Neue Deutsche Biographie.
Die im Archiv erhaltene ältere Unternehmensgeschichte stellt seine Handelsreisen mit Pfeifenköpfen an den Anfang. Sie verbindet diese Reisen mit der Entdeckung geeigneter weißer Erde am Steinberg bei Hohenberg. Die Darstellung räumt selbst ein, dass zu den persönlichen Erlebnissen der ersten Jahre nur wenige schriftliche Aufzeichnungen erhalten seien. Die anschauliche Entdeckungsgeschichte wird deshalb als Überlieferung dieser Chronik wiedergegeben, nicht als lückenlos dokumentiertes Reiseprotokoll. (L21, 175-Jahre-LHS041.pdf, PDF-S. 1)
1814 ließ sich Hutschenreuther in Hohenberg nieder und begann einen Buntbetrieb. Er bezog zunächst fertige weiße Porzellanwaren aus Thüringen und dekorierte sie. Dieses Verfahren erforderte handwerkliches Können und Absatzmöglichkeiten, aber noch nicht alle Anlagen einer selbstständigen Porzellanfabrik. Die spätere Unternehmensgeschichte knüpft deshalb an 1814 an, obwohl die Genehmigung zur eigenen Herstellung erst 1822 folgte. (L21, 175-Jahre-LHS038.pdf, PDF-S. 2)
Der Schritt zur eigenen Produktion war erheblich größer. Er verlangte geeignete Rohstoffe, deren Aufbereitung, Brennöfen, Brennmaterial und verlässliche Verfahren. Die Archivdarstellung nennt Kaolin, Feldspat und Quarz aus der Umgebung sowie die umliegenden Wälder als wichtige Voraussetzungen. Sie verbindet die Wahl des Standorts also mit dem Material und der Energie, die für das Porzellan nötig waren. (L21, 175-Jahre-LHS038.pdf, PDF-S. 2; 175-Jahre-LHS041.pdf, PDF-S. 1)
Zwischen dem Beginn des Buntbetriebs und der erlaubten eigenen Herstellung lagen mehrere Jahre behördlicher Auseinandersetzungen. Die archivierte Rückschau nennt unter anderem den Schutz der königlichen Manufaktur Nymphenburg als Hintergrund des Widerstands. 1822 erhielt Hutschenreuther die Konzession. Die Jahreszahlen bezeichnen daher verschiedene Schritte: Ansiedlung und Dekoration einerseits, genehmigte Porzellanproduktion andererseits. (L21, 175-Jahre-LHS038.pdf, PDF-S. 2; W08)
Die ältere Geschichte schildert Pfeifenköpfe als frühen Schwerpunkt und nennt anschließend Puppenköpfe und weitere kleine Porzellanartikel. Mit der Erweiterung des Sortiments vergrößerte sich auch der Kundenkreis. Der Anfang war somit nicht bereits die später bekannte große Geschirrproduktion. Das Werk entwickelte Produkte, Verfahren und Absatzbeziehungen schrittweise. (L21, 175-Jahre-LHS041.pdf, PDF-S. 1–2)
Die rückblickende Geschichte überliefert für 1837 die Einrichtung einer Krankenkasse. Ihren Mitgliedern sollten ärztliche Hilfe, Medikamente und ein Ausgleich für entgangenen Lohn zur Verfügung stehen. Dieses konkrete Beispiel gehört zur frühen Geschichte betrieblicher Absicherung. Die Quelle lässt daraus jedoch keine vollständige Beschreibung der Arbeitsbedingungen oder der tatsächlichen Versorgung aller Beschäftigten zu. (L21, 175-Jahre-LHS044.pdf, PDF-S. 1)
Nach dem Tod des Gründers 1845 führte seine Witwe Johanna das Unternehmen mit Unterstützung der Söhne Christian und Lorenz weiter. Die Chronik berichtet von einem verheerenden Fabrikbrand 1848 und anschließendem Wiederaufbau. Die Fortführung war damit eine eigenständige unternehmerische Leistung der Familie nach Carl Magnus' Tod. 1860 übergab Johanna die Leitung an die nächste Generation. (L21, 175-Jahre-LHS041.pdf, PDF-S. 2)
Spätere Verbesserungen wie die Umstellung auf Kohlenfeuerung und die verstärkte Maschinennutzung gehören in der Archivdarstellung zur Zeit des Enkels Albert Hutschenreuther. Sie dürfen dem 1845 verstorbenen Gründer nicht zugeschrieben werden. Auch das spätere Renommee für Geschirr und Dekore entstand über mehrere Generationen. (L21, 175-Jahre-LHS044.pdf, PDF-S. 1–2)
Carl Magnus legte den Ausgangspunkt in Hohenberg. Lorenz Hutschenreuther nutzte die im Familienbetrieb gewonnene Erfahrung für die Gründung in Selb 1857. Die beiden Unternehmen entwickelten sich zunächst getrennt; erst 1969 wurden die Hohenberger und Selber Firmen zusammengeführt. Die gemeinsame spätere Marke sollte diese frühe Eigenständigkeit nicht verdecken. (L01, PDF-S. 13–16; L09, S. 230; R13, PDF-S. 3–4)
Gründungsgeschichte in Selb · Lorenz Hutschenreuther · Zeitleiste · Quellen